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MY TEACHER AFRICA

Von St. Pauli nach Afrika - und zurück

WIR SIND FAMILIE RUGE. DIE PREISGEKRÖNTE JOURNALISTIN ANNIKA RUGE, DER BESTSELLER-AUTOR MICHEL RUGE UND UNSERE TOCHER JAGUAR. Gemeinsam sind wir im April 2022 von Hamburg-St. Pauli nach Afrika aufgebrochen. Ein Jahr haben wir die Länder der Westküste bereist, von Marokko bis Ghana. Haben fernab ausgetretener Pfade und bekannter Routen Menschen an den abgelegensten Orten besucht. Haben mit indigenen Völkern gelebt, die ihre Welt mit uns geteilt haben. Sind in die Zentren der großen Metropolen gefahren und haben uns mitreißen lassen vom Treiben in den Millionenstädten. Haben uns treiben lassen von Ort zu Ort, von Geschichte zu Geschichte. 
Wir waren dort, um zu lernen. Um das Narrativ vom hilfebedürftigen Kontinent umzukehren. Um zuzuhören, hinzuschauen und um zu erfahren, wie es bestellt ist um das Afrika der Gegenwart. Die Ergebnisse halten wir in einer Ausstellung fest, die in verschiedenen deutschen Städten gezeigt wird und in der Fotos und Texte von unseren Begegnungen mit den Menschen erzählen.

MY TEACHER AFRICA

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DIE AUSSTELLUNG

20 BILDER ERZÄHLEN VON DEN MENSCHEN, DENEN WIR IN AFRIKA BEGEGNET SIND. VON BRAHIM UND DEM LEBEN DER Berber im Hohen Atlas. Vom Majoub, dem Nomaden, der noch unter dem Sternenzelt in der Wüste Erg Chebbi geboren wurde, vom wilden Mauretanien oder dem giftigsten Ort der Welt, der Elektroschrotthalde im Herzen der ghanaischen Hauptstadt Accra, Agbogbloshie.
Hier Auszüge:

03_ÜBERRASCHUNG
BERBER
AMAZKAR | JULI 2022


Im Atlasgebirge schrauben wir uns auf zweieinhalbtausend Höhenmeter hinauf. Das kleine Dorf Amazkar, in dem ein Berber-Clan lebt, wird die nächsten Wochen unser Zuhause sein. Und es für immer ein bisschen bleiben. 

Kaum verlassen wir die feste Straße bei Kelâa M’Gouna, einer Oasenstadt im Süden Marokkos, beginnt die Zeit langsamer zu fließen. Der steile Anstieg auf von Geröll bedeckten Straßen führt uns durch wilde Flußläufe und manche Abschnitte können wir nur passieren, weil der Defender sich – das schwören wir – ein klein wenig duckt, um unter den Überhängen der 

Felswände hindurchzukommen. Oben angekommen schlüpfen wir durch ein schmales Tor hinein in eine neue Welt. Die Zeit hört gänzlich auf zu fließen, das Schließen des Tores markiert die Ankunft anderswo. Wir sind zwei Familien aus sehr unterschiedlichen Wirklichkeiten und doch sogleich in Gemeinsamkeiten verbunden: Michel und Brahim, der Chief des Clans, denen ein Blick und eine Berührung der Hände ausreichen, um einander zu erfassen. Seine Frau Hadija und Annika, die mit den Händen jeweils die Unterarme der Anderen umfassen und sogleich eine Art gemeinsamen Kreislauf schaffen. Ihre erwachsenen Kinder und Jaguar, die kaum angekommen, zu den Tieren in den Ställen laufen.

Wir sind einander eine große Überraschung. 

11_FURCHT
DIAWLING-NATIONALPARK
MAURETANIEN | AUGUST 2022


Wenn man den Rand der Endlichkeit streift, kann man das Band spüren. Das uns im und am Leben hält. In dieser Nacht greifen wir danach und halten mit aller Kraft daran fest. Es ist auch das Band zu Gott.

Weil wir wieder einmal zu spät loskommen, erreichen wir den Park eine Stunde vor Einbruch der Dunkelheit. Die Piste ist streckenweise stark zerfurcht und von Pfützen und Matschlöchern übersät. Michel navigiert den Defender so zügig wie möglich über das schwierige Geläuf, dennoch wird die Zeit nicht reichen, um den Park bis Sonnenuntergang zu passieren. Und so fahren wir in die Dunkelheit und hören sanfte Klaviermusik von Joep Beving. „Typisch wir“, sagt Anni „mal wieder entgegen allen Empfehlungen bei Nacht zu fahren.“ Wie auf ein Stickwort erscheinen im Rückspiegel zwei Autoscheinwerfer. „Verfolgen die uns?“, fragt Michel. Wir wissen es nicht und entscheiden daher, das Tempo anzuziehen. Michel gibt Gas und das Auto hinter uns zieht ebenfalls das Tempo an. Michel drückt weiter aufs Gas. Spätestens jetzt, als die Verfolger ebenfalls unnötig schnell fahren, sind wir sicher, dass es sich hinter uns nicht um eine romantische Nachtfahrt handelt. „Es sind noch 21 Kilometer. Haltet Euch fest.“ Mit der schlafenden Jaguar fest in Annis Arm jagen wir die Schotterpiste hinunter. Wir erreichen den Posten der Park-Ranger als erstes. Sie beruhigen uns und stoppen das Auto hinter uns, aus dem sechs Männer aussteigen. Sie seien auf der Durchfahrt nach Diama, sagen sie. Die Ranger nehmen das Kennzeichen auf und lassen sie weiterfahren. Die Nacht verbringen wir vor dem einzigen Kiosk in dem kleinen Grenzdorf – der Besitzer hat uns eingeladen dort zu übernachten. Hier sei es sicher. Gemeinsam beten wir. 

06_DANKBARKEIT
ZWISCHEN QUARZAZATE UND ZAGORA
MAROKKO | JULI 2022


Wir bewegen uns seit dem Morgengrauen auf die Erg Chegaga zu, Marokkos größte Sandwüste. Das Licht zeichnet die Landschaft mit scharfen Konturen; sie ist schattenlos um diese Tageszeit.

Mit jedem Kilometer reduziert sich die Welt. Ein Himmel, eine Erde, eine Straße. Eine Stille. Als führen wir über die Haut eines sehr mächtigen Wesens, das nicht geweckt werden darf, bewegen wir uns in einem gleichmäßigen Tempo fort. Die Frontscheibe umrahmt eine sich kaum verändernde Landschaft, die wie in sich selbst hineingestellt wirkt. Hin und wieder tauchen vereinzelt Menschen in der Ferne auf, gehüllt in Tücher von der Farbe eines hellen Sommermorgens. Die Füße unter dem Stoff verborgen, schweben sie über den Sand unsichtbaren Zielen entgegen. Wir fahren durch die Zeit selbst, nähern uns vom äußeren Rand des oberen Glaskolbens der mit Sand gefüllten Uhr dem Zentrum. Das baldige Fallen kündigt sich durch ein leichtes Flimmern am Horizont an. „In einer solchen Leere kann man schnell verloren gehen“, sagt Anni und die Worte bleiben an der Windschutzscheibe stehen wie die Zeile eines Gedichts, können sich nicht auflösen in der dichten Atmosphäre, „man könnte auch verrückt werden.“ „Kaffee“, sagt Michel. Da steht im Nirgendwo Faroukh mit seiner Siebträgermaschine, befreit unseren Geist aus dem Stundenglas mit einem doppelten Espresso. 

14_MUT
BINTANG

GAMBIA | SEPTEMBER 2022


Das ist der Kankurang.

Seine Haut ist eine Kleid aus Rinde und Flechten. 

Sein Gesicht bleibt verborgen. 

Die rostigen Klingen schlagen aufeinander, 

das Geräusch flammt durchs Rückenmark.

Die Jungen singen und tanzen. Sie folgen ihm. 

Er bringt die Kinder in den Wald. 

 

In der Nacht kommen die bösen Geister.

Rauben die Kindheit.

Ihre Körper dürfen bleiben.

 

Morgen schon sind sie Männer.

Der Kankurang ist ein Initiationsritus, der in der westafrikanischen Region 

Senegambia von der Volksgruppe der Mandinka praktiziert wird und der im Jahr 2008 bei der UNESCO in die Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit eingeschrieben wurde. Der Kankurang ist ein magisches Wesen, das die bösen Geister während des Initiationsritus von den Kindern fernhält und ihnen beim Übergang von der Kindheit in die Welt der Erwachsenen hilft. 

DANKE BERLIN! 
Vernissage am 27. Juli 2023
Haus Ungarn | Berlin
 
20 Bilder, 500 Gäste und viele Stunden voller Freude und Austausch. Wir danken allen Partnern; vor allem O.K. für den wunderbaren Sommerwein
The Swag und DJ San Gabriel aus Accra für die Musik, die uns durch die Nacht getragen hat. 

DANKE HAMBURG! 
Vernissage am 28. September 2023
Rosi's Bar | St. Pauli

 
Hier sind wir gestartet und hier haben wir unsere Bilder und Texte in der legendären Musikbar von Rosi Sheridan McGinnity ausgestellt. Afrika im Herzen von St. Pauli - welch schöne Berührung.


WEITERE TERMINE 
KÖLN | APRIL 2023
tba

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